Baltisches Graslandrind

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Auf der rumpeligen Schotterstraße, eingerahmt von dunklen dichten Wäldern und im Mittagslicht hellgrün schimmernden Lichtungen, ist Lettlands Metropole Riga plötzlich ganz weit. Das Gebiet rund um die östlich der Hauptstadt gelegene Kleinstadt Madona, wo wir leva Galina treffen werden, ist spärlich besiedelt – so wie der gesamte ländliche Raum Lettlands, das insgesamt nur rund 2 Millionen Einwohner zählt. Das lässt viel Platz für Natur, für Wälder, Seen und weite Grasebenen, die das Landschaftsbild hier prägen.


Angekommen auf einem kleinen Hügel am Ende des Waldstückes empfängt uns Ieva, die Transgourmet Vonatur Graslandrinder-Bäuerin. Die nackten Füße in Riemchensandalen gesteckt, in kurzer Jeans und scharzem T-Shirt, sieht die aufgeweckte junge Frau erstmal sehr viel mehr nach Miss Rinderzucht als nach Stall- und Weidearbeiterin aus. Ieva findet, wie sie uns auf dem Weg in ihre Sommerküche erzählt, keinen Widerspruch darin, ein moderner, offene Mensch zu sein und gleichzeitig in Harmonie mit der Natur, ihrer Familie und den Tieren, ein ursprüngliches, freies Leben zu führen. 11 Jahre lang hat sie den Hof gemeinsam mit ihrem Mann aufgebaut, 190 Hektar Fläche bewirtschaften sie heute. Fehlt ihr denn Riga, wo sie studiert hat, nie? "Nein", schmunzelt Ieva. "Ich besuche meinen Bruder alle paar Wochen in der Hauptstadt, dort stehe ich im Stau und vergeude kostbare Zeit ... dann freue ich mich, wenn ich wieder zurück in Madona bin. Hier gibt es keinen Lärm, keine Staus, und ich kann die Zeit mit etwas Sinnvollem füllen." Etwa Gemüse und Obst für den Sommer konservieren. Mit ihrer Familie die Umgebung erkunden. Und, sich um Ihre Angus-Rinder kümmern, natürlich.


Auf Ievas Hof sind insgesamt 55 Mutterkühe, 20 Kalbinnen sowie einige Mast- und zwei Zuchtbullen untergebracht. Die Tiere haben das ganze Jahr über die Möglichkeit, auf die Weide zu gehen. Die Galinas haben sich auch deshalb für Angus-Rinder entschieden, weil die Rasse anspruchslos, robust und das Fleisch von hoher Qualität ist.Für Ieva ist eine nachhaltige, sinnvolle Nutzung von Landflächen mit naturverbundener Landwirtschaft selbstverständlich. „Ziel unseres Projektes ist der rationelle und schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Umwelt“, erklärt uns Hans Ziswiler von Vianco, dem Partnerbetrieb des Baltischen Grassland Beef-Projektes, der alle Transgourmet Vonatur Grasland-Rinderbauern persönlich kennt und uns daher auch bei unserer Reise ins Baltikum begleitet. Das Projekt, an dem insgesamt rund 450 Rinderbauern in Estland, Lettland und Litauen beteiligt sind, wurde ursprünglich lanciert, um eine hochwertige Rindfleischalternative zu klimaschädlichen Fleischimporten aus Übersee zu schaffen. Die Kriterien, welche die Baltische Grasland-Rinderbauern bei Haltung und Fütterung ihrer Tiere einhalten müssen, um am Programm teilnehmen zu können, sind seit jeher streng.


So stammt das Fleisch – auch das von Ieva Galina – von rund 20 Monate alten Rinder, die so gut wie das ganze Jahr über im Freien stehen und den Stall nur zum Schutz vor extremem Wetter aufsuchen. Die Kälber wachsen 8-10 Monate lang in Mutterkuhhaltung auf und werden ohne Milchersatz aufgezogen. Importiertes Soja und Leistungsförderer sind verboten, Getreide darf nur limitiert zu gefüttert werden.Ieva sagt, sie sehe ihre Aufgabe nicht einfach nur darin, den Tieren ein möglichst angenehmes, artgerechtes Leben zu ermöglichen.


„Wir wollen auch die traditionelle, extensive Landwirtschaft pflegen und diese wunderbare Landschaft für unsere Kinder bewahren. Wir haben die Verpflichtung, dieses Land sinnvoll und in Harmonie mit allen Lebewesen zu bearbeiten.“

Tag 2 unserer Reise beginnt rund 200 Kilometer südwestlich von Madona, in Birzai in Litauen, wo uns Daina Butènè in einer von zwei Graslandrind-Schlachtereien empfängt. Ihre Eltern haben den Betrieb vor 30 Jahren aufgebaut, knapp 200 Mitarbeiter beschäftigt die Familie heute. Für Daina und ihre Familie steht das Wohlergehen der Tiere – von der Abholung auf den Höfen bis zur Schlachtung – an oberster Stelle. „Wir versuchen den Stress für die Rinder und Schweine, die wir hier verarbeiten, zu minimieren, und schlachten unter anderem, auch deshalb nur 100 statt der möglichen 200 Tiere pro Tag“, erklärt sie. Darüber hinaus ist es den Butènès ein großes Anliegen, ihren Beitrag zum schonenden Umgang mit Ressourcen zu leisten. So gibt es mittlerweile unter anderem eine Biogas-Anlage, die Strom für die Schlachterei liefert. Das ist in Litauen ebenso wenig selbstverständlich, wie der Betrieb einer Mitarbeiterkantine. „Aber ich bin überzeugt davon, dass wir nur dann perfekte Fleischqualität liefern können, wenn Mensch, Tier und Umwelt mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden“, sagt Daina.


Dieses Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur ist auch für Audrius Stačkūnas wesentlich. Er betreibt in der Nähe von Birzai eine moderne Bio-Rinderfarm mit 1.250 Hektar Wald- und Wiesenfläche, auf denen etwa 400 Limousin-Rinder weiden können, wann immer ihnen der Sinn danach steht. 20 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Tiere, deren Fleisch unter Kennern als Delikatesse gilt. Audrius nimmt uns auf einen kleinen Spaziergang mit und führt uns in einen besonderen Stall, wo 8 Monate alte Rinder stehen. „Die wurden gerade von ihren Müttern getrennt und müssen jetzt eine Woche im Stall bleiben, um sich daran zu gewöhnen, dass sie jetzt auf sich alleine gestellt sind!“, lacht Audrius. „Naja, zumindest fast.“


Nach ein paar Stunden, die wir mit Audrius in und rund um seinen Hof verbringen, geht es noch einmal nach Lettland, zur Farm von Alma Berzina und ihrem Mann Salvis in die Region Bauska. 2015 haben die beiden hier 70 Hektar Land und ein kleines Haus gekauft, seit 2016 ziehen sie für das Baltic Grassland Beef-Projekt etwa 30 Tiere pro Jahr auf. Zukünftig sollen es bis zu 70 Tiere werden, weshalb das Paar gerade neue Stallungen baut. Viel Zusatzarbeit für eine zweifache Mutter und Vollzeit-Landwirtin. „Aber das ist es, was ich hier am Leben am Land besonders mag. Alles ist ständig in Bewegung, und man sieht Tag für Tag, Jahr für Jahr, was man geschaffen hat.“ Die Bērziņas kaufen die in Mutterkuhhaltung aufgezogenen Kälber – Kreuzungen aus unterschiedlichen Fleischrassen – mit 8 Monaten und ziehen sie auf, bis die Tiere etwa 2 Jahre alt sind. Dass die Rinder ihre Hörner behalten dürfen ist für Alma, die in Riga Landwirtschaft und Agronomie studierte und zuvor als CEO für Vianco in Litauen tätig war, ebenso logisch, wie ausreichend Auslauf und natürliches Futter. „Mein Wunsch, eigene Tiere zu halten, ist im Laufe der Jahre immer stärker geworden, und für mich war von Anfang an klar, dass perfekte Haltungsbedingungen und ein achtsamer Umgang mit den Tieren Grundvoraussetzung sind, um ein außergewöhnliches Produkt herstellen zu können.“


Vor der kleinen Stallung, wo wir noch kurz vor unserer Fahrt zum Flughafen mit Alma, die ihren zweimonatige Sohn Jekabs in der Babytrage umgeschnallt hat, ihrem Mann und Tochter Matilda über Pläne für die Zukunft plaudern, scharen sich einige Kühe um uns und beschnuppern uns neugierig. „Rinder“, sagt Alma, „sind sehr sensible, kluge Tiere. Es gibt zum Beispiel Nannys in der Herde, die auf die kleineren Rinder aufpassen.“ Alma sagt, diese Erfahrungen und dieses Wissen wolle sie an ihre Kinder weitergeben. Und das gehe nirgendwo besser als genau hier, genauso.


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